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Träumen

Bülent Kent

Wenn man anfängt über Träume nachzudenken, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Man fühlt sich wie in einem Ozean mit vielen unbekannten Phänomenen, weil alles so verschlüsselt ist.

Alpträume

Alpträume scheinen einen Bezug zum Stress und Versagensängsten und verdrängten früheren traumatischen Erlebnissen zu haben, wenn man die schrecklichen Bilder vor Prüfungssituationen als reale angstauslösende Situationen erlebt, wo man nicht sieht, wie es endet. Die Angst in einen Abgrund zu stürzen oder sich im freien Fall zu befinden, wo man nicht sieht, ob man sicher auf dem Boden landet. Nicht anders ist es, wenn man in Träumen von bösen Menschen verfolgt und bedroht wird und nicht weiß, ob man es überlebt. Freud sagte, dass die „Träume Wunscherfüllungen“ sind, dass „unterdrückte Wünsche und Triebe, die aus dem Unbewussten“ im Schlaf ins Bewusstsein eindringen und in uns bunte Gefühle auslösen. Es wird auch gesagt, dass Träumen sowas wie eine Reparaturwerkstatt für die Seele sei, bei der unbewusste Themen aus dem Alltag bearbeitet werden. Carl Jung betrachtete Träume als „wertvolle symbolische Botschaften aus dem Unbewussten, die der Selbstregulation der Psyche dienen“. Was wir im Alltag unbewusst denken, aber nicht verdauen können, werden in Träumen für die Psyche verträglicher gestaltet. Alpträume scheinen als Warnsignal der Psyche zu dienen, wenn wir uns mit Themen, die unter Menschen vorkommen, überfordert fühlen.

Wunschträume

Bei Wunschträumen wünscht man sich, wie schön es wäre, wenn das Leben ein Wunschtraum wäre, wo alles so reibungslos, ohne Widerstände und ohne moralische Hindernisse so leicht und harmonisch abläuft. Wunschträume scheinen positive Visionen zu enthalten, wie Lenin sagte, „ohne Traum keine Revolution“. In Wunschträumen werden unser Selbstwertgefühl und unsere Neigung zum Tatendrang gestärkt; wir erleben uns als handlungsfähige Subjekte oder als Akteur der Zukunft. Materielle Wünsche, wie im Lotto sechs Richtige zu gewinnen, die Erfüllung sinnlicher Wünsche in Liebe und Sex, die persönliche Anerkennung und positive Darstellung des Selbst scheinen in Wunschträumen ihren Platz zu finden.


Image: Unsplash: Marissa Rodriguez, 2026

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