Der Traum vom Degrowth
In einer früheren Ausgabe des Magazines haben wir uns mit der Beziehung von Shopping Sucht und Narzissmus auseinander gesetzt. In einer Kultur des höher, schneller, weiter, stärker, größer und besser passt ein Kaufrausch, ein sich Abgrenzen, ein sich Überhöhen, ein Besser sein wollen im Vergleich zu seinen Mitmenschen: oder anders gesagt, der Kaufrausch passt gut zu einem narzisstischen Subjekt, das konkurrieren will oder manchmal muss, um in der Welt zu bestehen.
Gegen einen Konsumismus haben sich in verschiedenen Ländern Bewegungen entwickelt, die sich vornehmlich in zwei Lager teilen: die System- und die Lebensstilkritiker. Währen die einen auf der subjektiven Ebene Veränderungen fordern, setzen die anderen auf einen politisch-institutionellen Wandel.
Der Begriff „Degrowth“ wird dabei vor allem mit dem Ziel verbunden, dass wir uns gesellschaftlich von „einem Wachstum verabschieden müssen, da dieses Ziel nur für die Profitgier der Kapitaleigner steht – mit verheerenden Folgen für die Umwelt und damit auch für die Menschheit“. (Latouch, 2015:24).
Dabei stellen sich grundlegende Fragen in einer Gesellschaft neu, denn einen Gesellschaft, die auf Wachstum basiert, die dadurch Arbeit und gute Löhne schafft, würde ja durch ein eine Wachstumsrücknahme ins Schwanken geraten (Latouch, 2015). Deswegen braucht es auch ein alternatives politisches Konzept, um ein Leben aufzubauen mit weniger Arbeit und mit mehr Kreativität (Latouch, 2015).
Fakt ist ja, dass es ein unendliches Wachstum in einer Welt mit endlichen Ressourcen schlichtweg nicht geben kann, daher wird in den vergangen Jahren immer der Begriff Nachhaltigkeit diskutiert, um ökologischen Anforderungen an Wirtschaften gerecht zu werden.
Doch was braucht es? Ein Umdenken in Bezug auf Werbung und Konsum. Lassen wir uns nicht mehr alles andrehen, von dem wir noch gar nicht wussten, dass wir es brauchen. Auf der subjektiven Ebene kann jeder einen Unterschied machen. Auf der politisch-wirtschaftlichen Ebene gibt es vielfältige Möglichkeiten. Wissen denn die Konzerne nicht ganz gut Bescheid, wieviel die Menschen brauchen an Spaghetti, Brot, Reis oder Autos oder Handys. Eine Wirtschaft die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert würde dazu führen, dass Märkte nicht mehr übersättigt werden wie aktuell der Auto Markt. Wenn gerade an der deutschen Auto Industrie zeigt sich, dass die Nachfrage irgendwann geringer wird lokal aber auch global.
Mit voranschreitender Digitalisierung kann man sich sehr schnell einen Eindruck davon machen, was Menschen brauchen und die Möglichkeiten der Produktion darauf ausrichten. Das würde den Unsinn von Waren reduzieren, die hergestellt werden und die Menschen auch ärmere Menschen auf der Welt mit dem notwendigsten versorgen.
Solange die Politiker in allen Ländern der Welt an der Wirtschaftsordnung festhalten wird sich nichts ändern, solange werden Mensch und Umwelt weiter ausgebeutet und der Gier des Wachstums untergeordnet.
Bibliographie:
Latouch, Serge (2015[2007]) Es reicht! Abrechnung mit dem Wachstumswahn. München, Oekom Verlag.
Image: Unsplash: Randy Tarampi, 2026
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